Bei Verurteilung des Inzesttäters Fritzl bleiben viele Fragen offen

Für das Opfer, die Tochter des Inzesttäters, war es das Wichtigste, dass Fritzl niemals mehr freikommt. Darum sprang sie über ihren Schatten, indem sie sowohl die zuvor abgelehnte 11-stündige Videobefragung in Kauf nahm und dann sogar während der Vorführung im Gerichtssaal anwesend war. Sie, das Opfer, beeindruckt das Geständnis von Fritzl keinesfalls. Ihr Misstrauen ist genau 24 Jahre alt, denn an einem Tag vor 24 Jahren, bat er sie, eine Tür mit ihm in den Keller zu tragen und schloss sie ab dem Zeitpunkt an in ein Kellerverlies und das lange Martyrium der Vergewaltigungen und der sieben Schwangerschaften als Gefangene, begann.
Für das Opfer stehen das Geständnis, die Äußerungen von Fritzl am Rand ihrer Wahrnehmung, in der Mitte ihrer Wahrnehmung steht der Wunsch und das Bedürfnis, dass sich dieser Mann ihr nie wieder nähern wird. Wenn man die nächstmöglichen Termin der Freilassung – den Antrag auf Haftaufhebung in 15 Jahren ins Auge fasst, so ist in Anbetracht des Alters von Josef Fritzl – eine Freilassung nicht mehr vorstellbar.

Kürze des Prozesses – Versäumnisse?
Eine Dauer von vier Tagen für einen solchen Prozess, in dem neben dem „Monster von Amstetten“, erscheint kurz. Hätte nicht zusätzlich auch über Versäumnisse der Behörden geredet werden müssen? Welche Rolle spielte die Ehefrau Rosemarie Fritzl, war sie tatsächlich 24 Jahre lang ahnungslos, hatte sie die sieben Geburten nicht bemerkt, die Kellerausflüge von Fritzl, den Einkauf der zusätzlichen Lebensmittel niemals wahrgenommen?
Was dachten sich die Behörden, als Fritzl das dritte vor der Haustür abgesetzte Kind präsentierte?
Warum forschte keine Polizei nach der angeblich in einer Sekte verschollenen damals sehr jungen Tochter?
So wichtig, wie das Geständnis von Fritzl war, es hat eine lückenlose Aufklärung der Rolle der Ehefrau und kritische Nachfragen nach dem Verhalten der österreichischen Behörde leider einfach mit abgehakt.
Es ist nicht auszuschließen, dass die österreichische Regierung die Prozessbeobachter, die bis aus dem Iran anreisten, schnell wieder außer Landes haben wollte, um weiteren Negativruhm von Österreich abzuwenden.

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