Zähne in Polen machen lassen – neue Entwicklungen auf dem Medizinsektor

Das renommierte McKinsey Institut prognostizierte anhand der bisherigen Entwicklungen für die kommenden zehn Jahre, dass sich der Umsatz bei medizinischen Behandlungen im Ausland auf 30 Milliarden Euro erhöhen wird. Das Geschäft mit reisebereiten Arztbesuchern wird inzwischen auch von der EU unterstützt. So will EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou Strukturen schaffen, in denen es für die Patienten leichter wird, ärztliche Leistungen im Ausland wahrzunehmen. Auch an den Summen, die hier vorgesehen sind, wird klar, wie ernst es Kyprianou mit der Kostenanpassung im europäischen Gesundheitswesen ist. Denn Behandlungen in Ländern wie Polen, Thailand oder gar Indien sind um ein vielfaches billiger als in den hochindustrialisierten europäischen Mutterländern wie Deutschland, Spanien oder Frankreich. Die EU kalkuliert allein bis 2010, 23 Millionen Euro für die europaweite Vernetzung von Gesundheitsdatenbanken.

Erstattungsfähigkeit von Behandlungen im Ausland
Doch auch ohne diese neuen EU-Aktivitäten, gelten weltweite Behandlungen bereits als erstattungsfähig. Es liegen hierzu verschiedene Urteile des europäische Gerichtshofes (EuGH) vor, die das bestätigen. Es gilt dabei nur die Richtlinie, dass die in Anspruch genommene Leistung auch im Heimatland von der eigenen Krankenkasse im für den Einzelnen geltenden abgeschlossenen Tarif als erstattungsfähig geführt ist.

Gefahren bei Haftungsansprüchen im Ausland
Wenn auch einige Krankenkassen aktiv für eine Behandlung im billigeren Ausland plädieren, kann es zu Komplikationen und Fehlbehandlungen führen. Dann gilt die Gewährleistungspflicht der ausländischen Klinik und dann ist eine “Nachbesserung” einer heimischen Klinik – selbst bei eigener Kostenübernahme – schwer. Denn sobald ein heimischer Arzt hier eingreift, tritt er mit in die zweijährige Haftungspflicht für die Fehlleistung des Vorbehandlers ein. Deutsche Verbrauchserzentralen empfehlen dringend, die Gewährleistungspflicht in der ausländischen Klinik genauestens zu prüfen.

Risiken und Nebenwirkungen
Wenn dann tatsächlich schwere Fehler begangen werden, wie eine ARD Reportage dokumentierte, erlischt jeder erhoffte Kostenvorteil. So wurde bei einer Patientin in einer polnischen Klinik eine Zahnersatzbehandlung vorgenommen, bei der eigentlich die Vorbehandlung einer bestehenden Parodontitis angezeigt war. Die Folgen der Behandlung bedeuteten für die Patientin Schmerzen, nutzloser Zahnersatz und sie war aufgrund der rechtlichen Situation zu einer „alternativen“ Behandlung durch die gleiche, zudem weit entfernte, Klinik gezwungen.
Wenn man es sich aber anders eben einfach nicht leisten kann, könnte diese Variante der Europäisiserung trotzdem verlockend sein. Wer es sich aber die Behandlung in Deutschland „leisten könnte“ unterstützt Arbeitsplätze heimischer Fachkräfte. Im anderen Fall sollte man den Schadensfall nicht vollständig aus seinen Planungen ausschließen. Dann heisst es, Zeit haben, ds Geld für die zusätzlichen Reisekosten aufbringen und sich mit seiner Krankenkasse kurz über die Vorgehensweise abstimmen.
Neben Polen als Reiseziel zu medizinischen Zwecken, gelten auch Thailand und Indien als stark im Trend.

Quellen und weiterführende Informationen:
Informationsportal krankenkassen.de Bericht über die Vorgehensweise deutscher Krankenkassen
ausführlicher Bericht über den Trend zur Behandlung im Ausland in der
„Zeit“
Bericht über eine fehlgeschlagene Behandlung in Polen in einem ARD-Beitrag

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2 Antworten zu “Zähne in Polen machen lassen – neue Entwicklungen auf dem Medizinsektor

  1. Vielleicht ergänzend zu diesem – wie ich finde – wirklich gelungen, weil informativen Beitrag noch ein Hinweis: Seit 2010 gibt es ein Qualitäts-Prüfsiegel für Medizin im Ausland. Es heißt Temos. Habe dazu ein Interview gefunden. Klingt ganz interessant: http://www.rheinruhrmed.de/interviews/temos_zertifikat_ausland.html

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