Selbstzensur bei Fussballberichterstattung ist für die Schweizer Rundfunkgesellschaft ganz selbstverständlich

Fußballberichterstattung wird in der Schweiz vom öffentlich-rechtlichen Schweizer Rundfunk SRG organisiert. Doch diese Organisation umfasst bei weitem mehr als Koordinationsaufgaben, auch in Personalfragen bei der Fußbllberichterstatung schaltete sich der Sender machtvoll ein.
Der italienisch-schweizerische Sender RSI fällt vor dem großen SRG auf die Knie und straft ihren eigenen Journalisten mit einer kompletten Afrika WM-Sperre.

Was ist passiert? Bevor sich Ottmar Hitzfeld, seit 2008 deutscher Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, überhaupt beschwert hatte, entzogen die Verantwortlichen des Radiosenders RSI dem gestandenen Fußballberichterstatter Armando Ceroni, die komplette Akkreditierung für seinen Einsatz bei der Fußball WM in Afrika. Der Grund, er habe mit Ottmar Hitzfeld ein „nicht autorisiertes“ Interview geführt. Ob es überhaupt gesendet wurde, geht aus dem Bericht der Schweizer Zeitung Blick nicht hervor.

Dies ist nicht nur gegenüber dem Journalisten ein Affront, sondern auch vom Sender selbst ein Bekenntis zur Selbstzensur, das – wäre dies in einem international bedeutenderem Kontext geschehen – den Konsumenten von Nachrichten, ob Zuhörer oder Fernsehzuschauer, zutiefst erschrecken müsste. Erhält er so doch – bereits in der Sportberichterstattung konforme richtliniengetreue Informationen statt – vom Sender kritisch geführte und aufschlussreiche Informationen über aktuelle Sachverhalte. Denn – alle Interviews um die sensible Schweizer Nationalmannschaft herum, bedüfen einer Autorisierung. Dass heisst der Interviewte oder seine Vorgesetzten kontrollieren Wort für Wort die getroffenen Aussagen, bevor sie gesendet werden dürfen. Kürzungs- und Änderungsrecht selbstredend.

Ans ich ist eine generelle Autorisierungsvorschrift von Interviews nicht erforderlich, eine Überhandnahme von Autorisierungen, stellt eine unabhängige und spontane Berichterstattung in Frage, zumal in Bereichen, wo es noch nicht einmal um heikle politische Inhalte geht.

Autorisierungen gesprochener Interviews in Rundfunk und Fernsehen sind zudem nicht allgemein üblich, bedeutet diese zudem eine umständliche Abschrift des Interviews. Üblich sind Autorisierungen schriftlicher Interviews in Printmedien, deren Tanskription selbstverständlich ist.

Mit diesem Einsatzverbot für den in der Schweiz bekannten und beliebten Journalisten schießt sich RSI ein Eigentor in Sachen unabhängige Berichterstattung und bekommt in Sachen Naivität noch den Skalenwert 100 Punkte. Denn unglaublich aber wahr – Sportschef des RSI begründet diese Entscheidung, indem er zugibt, diese Entscheidung in Abhängigkeit einer Abteilung des öffentlich-rechtlichen Schweizer Rundfunks SRG SSR zu treffen, die eine Autorisierungspflicht von Interviews mit der Nationalmannschaft vorsieht.

Die sogenannte Business Unit Sport (BUS), der SRG SSR zeichnet sich verantwortlich für eine „Sportstrategie“. Sie tritt für die Fußball-WM als Koordinator für alle Schweizer Radio- und Fernsehsender auf.
Er habe, so der Sender in einer Stellungnahme, «die delikaten Beziehungen zur Nationalmannschaft» gefährdet.

Wie erst wird es mit einer unabhängigen politischen Berichterstattung der Schweizer Rundfunks aussehen, wenn die Sendeverantwortlichen sich bereits bei der Sportberichterstattung selber Fesseln anlegen.

Bericht in: BLICK

Protest auf italienisch, verständlicher Fanaufstand auf Armando Ceronis Facebookseite

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Eine Antwort zu “Selbstzensur bei Fussballberichterstattung ist für die Schweizer Rundfunkgesellschaft ganz selbstverständlich

  1. Das Interview wurde gesendet und enthielt offenbar nix brisantes. Äusserst befremdend ist die Straf-Aktion allemal.

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