Die Poetin Marilyn Monroe: „Leben – ich bin von Deiner zweierlei Richtung“

Die Textfunde der Ehefrau von Marilyns Schauspiellehrer Lee Strasberg, Anna Strasberg, haben, was man einigen Textstellen entnehmen kann, literarische Qualität. Sollten die Funde echt sein, wäre es eine wichtige Erweiterung der bisherigen Wahrnehmung des blonden Männertraums Marilyn Monroe.

Die Monroe zeigt hier eine authentische, nackte und zugleich poetische Sicht auf die Dinge die ihr zustießen, einen Blick auf die andere Seite ihres öffentlichen Lebens, wo sie sie selbst war. Doch über ihr Leben als Ganzes hatten zumeist andere bestimmt. Eine so ganz eigene Sicht auf die Dinge, hätten ihr nach dem von ihr überlieferten Bild als naives Blondchen, wenige zugetraut. Nun liegt ihre eigene Sichtweise zumindest in Textfragmenten vor. Hoffen wir, dass die Geschichte vom Dachbodenfund der Texte durch die jetzt 70jährige Anna Strasberg stimmt. Die Textfunde, Bruchstücke von Geschichten oder Protokolle ihrer Ängste, zeigen Marilyn Monroe als Protokollantin, die zu einer intimen und poetischen Sicht auf die Dinge fähig war. Sofern ist das diesjährig zur Buchmesse Frankfurt erschienene Buch mit seinen Textbruchstücken ein neues Stück aus dem Puzzle Marilyn Monroe. Marilyn, die vor allem dazu diente, Fleisch gewordener Männertraum zu sein, eine dümmliche, den Mann erheiternden Blondine, soll jetzt immerhin in ihren Texten keine Projektionsfläche mehr sein.

In der deutschen Ausgabe „Tapfer lieben“, so die Übersetzerin und die Herausgeber, habe man den Texten bewusst keine Erklärtexte hinzugefügt. Eine weise Entscheidung, um Marilyn Monroe nicht weiteren Projektionen auszusetzen. Der S. Fischer Verlag ist es, der die Rechte auf Marilyns Tagebuchfragemente ergattert hat.

Ob die Funde authentisch sind, bleibt zu hoffen. Strasbergs Ehefrau Anna, hatte sich bereits einmal sehr geschäftstüchtig gezeigt, als sie 1999 bei Christie’s ein Abendkleid versteigern ließ, in dem Monroe das „Happy Birthday Mr. President“ sang. Das Kleid erzielte 13,5 Millionen Dollar. Trotzdem könnte Anna Strasbergs Geschichte von den gefundenen, wieder vergessenen und wieder gefundenen Texten stimmen.

Marilyns Texte zeigen Sie nicht nur Schreibtalent, sondern auch, dass sie bereits mit 18 Jahren ihre Situation entlarvend nüchtern analysieren konnte. Sie fand Worte, die in beiläufigem Ton, die Hinweise enthielten, die einen aufmerksamen Leser sofort verstehen lassen. Große Emotionen verschwanden in ihrer Beschreibung in dem Versuch eines objektiven Blicks auf eigene zuweil schmerzliche Herzensangelegenheiten. So schrieb sie über ihren damaligen Ehemann: ..“ehrlich gesagt wäre ich nie gleich bei ihm geblieben, wäre da nicht seine Liebe zur klassischen Musik gewesen, sein Intellekt, der mehr sein wollte (…) In dieser Phase kamen mir große Zweifel, ob dieser junge Mann von 21 Jahren meinem unbewussten Bild von einem Traummann nicht unwirklich wäre.“

Wenn sie in Assoziationen schrieb, ihrem Unbewussten Lauf lässt, entstehen starke poetische Bilder, so der Satz: „Leben – ich bin von Deiner zweierlei Richtung, irgendwie kopfüber hängend meistens doch stark wie Spinnweben im Wind“.

Zum Hype um die Versteigerung angeblicher Originale von Marilyn siehe auch den bereits 2008 entstandenen sehr informativen Artikel aus dem „GeoWis Online-Magazin“ der Autoren Liz Bremer und Uwe Goerlitz.

Deutsche Ausgabe „Tapfer lieben“, Herausgeber: S. Fischer Verlag € 24,95.
Englische Originalausgabe: „Fragments“. Herausgeber: Stanley Buchthal, Bernard Comment. € 19,95.

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